Gestoppt sei es.  Endgültig. Die Rede ist vom Öl, das seit Monaten mal mehr, mal weniger ungehindert ausströmen konnte und eine Ölpest von gigantischen Ausmaßen hervorgerufen hat.

Auf www.oelpest.net erfahren Sie alles zum Thema Ölpest. Dabei versuchen wir Ihnen das Thema am Beispiel der Ölpest im Golf vom Mexiko näher zu bringen.

Jetzt bestimmt wieder einmal Optimismus die Tage – zumindest beim Ölkonzern BP. Alle anderen werden sich einer gewissen Skepsis nicht entziehen können: Nicht zum ersten mal verkündete BP den Sieg über den Gegner Öl.  Ob es ein erneuter  verfrühter Jubelruf ist, wird sich zeigen, wenn  in wenigen Wochen die Entlastungsbohrungen abgeschlossen sein sollen. Denn diese müssen ersteinmal wegen Tropensturm Bonnie niedergelegt werden.

Doch was genau strebt denn hier seinem Ende zu – einfach eine große Menge Erdöl die auf dem Wasser treibt oder doch eine Umweltkatastrophe a la Tschernobyl? Und ist diese Ölpest im Golf von Mexiko wirklich so singulär wie die Medien scheinen lassen?

Folgen einer Ölpest

Ob es sich bei einer Ölverschmutzung des Meeres um eine Ölpest handelt, definiert sich vor allem primär durch die die Betroffenheit von Küstenabschnitte.  Hier entsteht nicht nur der größere Schaden, er wird vor allem am deutlichsten sichtbar: verendende Tiere und Menschen im verzweifelten Versuch der Lage Herr zu werden.

Eine Ölpest gehört nach wissenschaftlicher Betrachtung zu den sogenannten akuten Ölverschmutzungen.  Schreckensbilder wie oben genannt, vermitteln dabei den Eindruck, dass Unfälle wie der der gesunkenen Ölbohrinsel im Golf von Mexiko, deshalb die Hauptverantwortlichen für die Verseuchung der Meere  seien. Tatsächlich jedoch machen solche Desaster nur einen Anteil von knapp vier (!) Prozent aus. Das meiste Öl gelangt hingegen vom Festland durch die Industrieabflüsse in die Ozeane:  ca. 70 Prozent. Die restliche Differenz entsteht durch den normalen Schiffverkehr und dessen Abfälle.

Diese Zahlen geben jedoch keinen Aufschluss über den tatsächlichen Schaden. Wie bereits erwähnt sind die Folgen für die Küsten bei einer Ölpest beträchtlich. Küstenstrände verkleben, Fische und andere Tiere sterben, Pflanzenarten werden vernichtet, Lebensräume zerstört. Im Speziellen äußert sich das bei dem Vorfall vor den US-Amerikanischen Küsten in der Zerstörung der empfindlichen Mündungsgebiete des Mississippi Delta sowie der Sümpfe Louisianas. Neben den heimischen Tierarten sind auch die Zugvögel durch die Vergiftung ihrer Landeplätze im Marschland betroffen.

Doch auch wenn das Rohöl an den Küsten seine Auswirkungen am deutlichsten zeigt, ist das Ökosystem der Tiefsee nicht weniger stark betroffen. Tausende  Kleinstlebewesen und Mikroorganismen sterben, da ihr Lebensraum durch die Ölpest vernichtet wird. Damit ist das relativ empfindliche submarine Ökosystem im Golf von Mexiko der Zerstörung nahe.  Zwar haben Forscher nachgewiesen das es Bakterien gibt, die in der Lage sind Teer unschädlich zu machen allerdings benötigt dieser Vorgang sehr viel Zeit. Somit werden sich die entstanden Schäden noch auf Jahrzehnte bemerkbar machen.

Auch die geografischen Bedingungen spielen bei den Folgeschäden eine große Rolle. Handelt es sich um flache Küstenabschnitte besteht kaum Brandungsenergie, die eine schnelle Durchmischung mit Sauerstoff und damit rascheren Abbau des giftigen Öls zur Folge hat. Diese ungünstigen Bedingungen herrschen im aktuellen Fall vor. Das angeschwemmte Öl kann sich dort verhärten, Küstenabschnitte regelrecht teeren und nur unter großen Anstrengungen wieder entfernt werden.

Ein weiterer Unterschied besteht zwischen Warm- sowie Kaltwassergebieten. Plus für den Golf von Mexiko: Die höhere Temperatur bringt zwei Vorteile. Zum einen ist das Öl flüchtiger, zum anderen und das ist wesentlich wichtiger, können nur bei höheren Temperaturen ölabbauende Mikroorganismen existieren.  Bei Unglücken in Kaltwassergebieten verläuft deshalb die Beseitigung des Ölteppichs viel langsamer, da hier nur in den wenigen warmen Perioden effektiv die giftige Substanz unschädlich gemacht werden kann.

Vergangenheit keine Mahnung für neue Ölpest?

Bereits in der Vergangenheit gab es große Unfälle, die eine Ölpest zur Folge hatten.  1989 havarierte vor der Küste Alaskas der Tanker Exxon Valdez; es liefen 40.000 Liter Rohöl in Meer und töteten mehrere hunderttausend Tiere, darunter Robben und Seevögel. Auch das gerade im arktischen Gebiet empfindliche Ökosystem erlitt Schäden, von denen es sich selbst nach 20 Jahren nicht erholt hat. Hier fehlte der Wärme-Vorteil: Neben den schwierigen Bedingungen für die Selbstreinigung war auch der Mensch ein Teil des Problems. Im Bemühen um schnellstmögliche Lösungen wurden gravierende Fehler gemacht. Dazu zählt auch der Einsatz von Chemikalien, die das Öl lösen sollten, sodass es absinkt. Die Folgen der Ölpest sind allerdings noch heute verheerend: Das Rohöl liegt nun auf dem Meeresgund, wird von Meerestieren aufgenommen und gelangt in die Nahrungskette.

Ein weiterer Fall ist die Ölpest im Persischen Golf während des Golfkrieges 1991. Ungefähr sechs Millionen Liter Rohöl gelangten dabei ins Meer und verursachten verheerende Schäden. Hier wiederrum können ölbeseitigende Bakterien existieren, allerdings waren verschiedene Küstenformen betroffen. Wie bereits erwähnt vollzieht sich der Ölabbau in brandungsstarken Gebieten sehr schnell während er  an sandigen Gebieten recht langsam und in Salzmarschen ohne Brandungsenergie quasi gar nicht von selbst erfolgt. In diesen Fällen ist das Zutun des Menschen erforderlich, da er den Sand umgraben muss um die Sauerstoffzufuhr und damit die Bakterienaktivität erhöht. In obengenannten Salzmärschen muss das Öl entfernt werden, da sich durch die nichtvorhandene Durchmischung mit Sauerstoff, keine ölabbauenden Organismen bilden können.

Wie lässt sich eine Ölpest beseitigen bzw. eindämmen?

Menschliche Eingriffe bei der Beseitigung bzw. Eindämmung von Ölverschmutzungen sind sehr differenziert zu betrachten, da jede Küste und geografische Gegenbenheit ein anderes Vorgehen verlangt und eine Gefahrenverlagerung stattfinden kann.

Eine der ersten Maßnahmen ist die Begrenzung der Ölwolken mittels Schwimmsperren auf See. Diese können bis zu mehreren Metern hoch sein. Allerdings wird deren Wirksamkeit begrenzt durch den Wellengang, und die Ausdehnung der Ölverschmutzung, sowie die Geschwindigkeitsbegrenzung bei gezogenen Sperren. Eine Maßnahme die an den US-Küsten Anwendung fand war auch das Auslegen von Schläuchen entlang der Küste um die Verseuchung des Sandes zu verhindern.

Im Zusammenhang mit Öl die wahrscheinlich augenscheinlichste Gegenmaßnahme gegen eine sich ausbreitende Ölpest, ist das Verbrennen. Hier besteht aber die Gefahr, dass zum einen unverbrannte Partikel in die Luft gelangen, zum anderen, dass durch die nicht vollständige Verbrennung Ölmengen absinken und das Ökosystem unter Wasser gefärden. Daneben darf auch die Stärke der Ölschicht nicht zu groß sein und eine Durchmischung mit Wasser nur bedingt stattgefunden haben.

Die Abschöpfung ist weithin als Mittel der ersten Wahl  anerkannt, da hierbei die Sekundärfolgen gering sind. Ziel ist hierbei  an Bord von speziell umgerüsteten Schiffen, beispielsweise ehemaligen Tankern, das aufgenommene Wasser von Öl zu separieren und gesäubert zurück ins Meer zu führen. Dieser Vorgang beansprucht jedoch einige Zeit. Zudem wird die  Technik beschränkt durch den herrschenden Wellengang  sowie die Einsatzgeschwindigkeit. Bereist ab zwei Meter Wellenhöhe ist ein Einsatz nicht mehr sinnvoll.

Sehr differenziert ist hingegen die Dispergierung zu sehen. Hierbei dient mithilfe von Chemikalien (Dispergatoren) die Erhöhung des spezifischen Gewichtes des Öles dazu, dass dieses unter die Wasseroberfläche absinkt. An der Küste kann damit verhindert werden, dass Vögel und andere Tiere vom Öl verklebt werden. Allerdings ist dieses Mittel ein sehr zweischneidiges Schwert, weil zum einen die Ölkonzentration im Wasser steigt und das abgesunkene Öl den Meeresboden verseucht.  Wie im aktuellen Fall besteht die Möglichkeit, dass das Öl nur teilweise absinkt und nur einige Meter unter der Wasseroberfläche schwimmt, sodass die Beseitigung noch zusätzlich erschwert wird. Die Dispergierung ist deshalb nur dann von Nutzen, wenn  eine unmittelbare Gefärdung für die Küsten und die dort lebenden Tiere durch die Ölpest besteht.

Alle obenstehenden Methoden kamen nach dem Untergang der Deepwater Horizon zum Einsatz. Angesichts eines täglichen Austritts von ca. 7.000.000 Litern Öl sind die Küsten noch immer massiv betroffen.  Um das Öl an Stränden und im Marschland zu beseitigen, kamen tausende Hilfskräfte zum Einsatz, größtenteils allerdings keine  Fachkräfte. Das Resultat daraus war, dass die Lebensräume von Tieren, beim Versuch zu Helfen, durch mangelnde Kenntnisse zerstört wurden.

Verzweifelte Versuche um die Ölpest zu stoppen

Die Ausmaße der  Ölpest im Golf von Mexiko übersteigt alle vorangegangen bei weitem.  Bis jetzt eine dichte Kuppel über das offene Bohrloch platziert wurde, waren alle Versuche von BP den Ölstrom mittels Top Kill (Loch mittels Zement und Schlamm versiegeln) oder Absaugen des Öls mithilfe eines Supertankers gescheitert.  Der jetzt errungene Erfolg muss sich aber erst gegen den heranrückenden Tropensturm beweisen, da währenddessen keine Arbeiten zur Entlastung vorgenommen werden können.

Die Folgen der Ölpest müssen nun abgewartet werden. Forscher sind aber nach vergangenen Ölkatastrophen alllerdings sehr zuversichtlich. Selbstheilung ist das Zaubermittel, denn abgesehen von Bereichen wie dem Marschland würde sich die Natur binnen weniger Jahre schon wieder größtenteils regeneriert haben. Diese Zuversichtlichkeit der Wissenschaftler entstand durch die Langzeitbeobachtung der Ölpest im Persischen Golf, dessen Bedingungen mit der aktuellen Ölbedrohung durchaus vergleichbar sind, da in beiden Fällen Flachküsten  vorherrschen und es sich um Warmwasser handelt. Bleibt abzuwarten ob sich die Prognose bestätigen wird. Jetzt einen Strom Preisvergleich durchführen!